Fräswissen

Vorschub und Drehzahl ohne Rechnerei: die Material-Presets erklärt

Falscher Vorschub ist die häufigste Ursache für schlechte Oberflächen, gebrochene Fräser und verschmorte Kanten. Die gute Nachricht: Für Hobby-Maschinen reicht eine robuste Faustformel, und genau die steckt in den Material-Presets von step2gcode.

Die Basis ist der Fräserdurchmesser: Als Ausgangswert rechnet step2gcode mit Vorschub = Durchmesser × 300 mm/min und einer Zustellung von einem Durchmesser pro Ebene (1×D), jeweils für Weichholz. Jedes Material skaliert diese Basis mit eigenen Faktoren nach unten.

So geht es in step2gcode

  1. Material im Preset wählen (z. B. Holz, Hartholz, Acryl, Aluminium).
  2. Werkzeugdurchmesser eintragen. Vorschub, Eintauchvorschub, Drehzahl und Zustellung werden daraus berechnet.
  3. Bei Bedarf einzelne Werte manuell überschreiben, die Felder bleiben editierbar.
  4. Den ersten Schnitt konservativ fahren und auf Klang und Spanbild achten, dann gegebenenfalls steigern.

Die Presets im Überblick (6-mm-Fräser als Beispiel)

So übersetzen sich die Faktoren in konkrete Werte für einen 6-mm-Schaftfräser:

MaterialDrehzahlVorschubZustellung
Holz (Weichholz/MDF)18.000 U/min1800 mm/min6 mm (1×D)
Hartholz16.000 U/min1260 mm/min4,5 mm (0,75×D)
Acryl/Kunststoff12.000 U/min1080 mm/min3 mm (0,5×D)
Aluminium10.000 U/min630 mm/min2,4 mm (0,4×D)

Warum die Materialien so unterschiedlich reagieren

Acryl schmilzt, wenn die Schneide zu oft an derselben Stelle reibt: Deshalb weniger Drehzahl und trotzdem zügiger Vorschub, damit jeder Zahn einen echten Span abnimmt statt zu reiben. Aluminium ist zäh und leitet Wärme in den Fräser: kleine Zustellung, moderater Vorschub, und der Fräser dankt es mit Standzeit. Holz verzeiht fast alles, nur bei Brandspuren ist der Vorschub zu niedrig, nicht die Drehzahl zu hoch.

Schneidenanzahl: warum bei Acryl und Aluminium oft der Einschneider gewinnt

Neben Vorschub und Drehzahl entscheidet ein drittes Detail über Schneiden oder Reiben: die Schneidenanzahl. Wie viel jeder Zahn pro Umdrehung abnimmt, ergibt sich aus Vorschub geteilt durch Drehzahl mal Schneidenanzahl. Ein Zweischneider nimmt beim gleichen Vorschub also nur halb so dicke Späne ab wie ein Einschneider.

Bei Acryl und Aluminium ist der Einschneider auf Hobbymaschinen deshalb meist die beste Wahl: Er hat eine große Spankammer, wirft jeden Span sauber aus und nimmt pro Zahn einen richtigen Span ab, bevor Hitze entsteht. Genau das verhindert die zwei typischen Fehlerbilder: geschmolzene, wieder verschweißte Kanten im Acryl und mit Aluminium zugesetzte Schneiden (Aufbauschneide), die den Fräser in Sekunden ruinieren.

Für Holz und Sperrholz sind Zweischneider der Allrounder mit guter Balance aus Abtrag und Oberfläche. Drei- und Vierschneider kommen aus der Metallbearbeitung auf großen, steifen Maschinen: Sie brauchen hohen Vorschub oder niedrige Drehzahl, damit die Spanlast stimmt. Hobbyspindeln laufen aber selten langsamer als 8.000 U/min, darum reiben Vierschneider in Aluminium dort oft mehr, als sie schneiden.

Für die step2gcode-Presets heißt das: Die Werte passen für die gängigen Ein- und Zweischneider. Setzt du einen Fräser mit mehr Schneiden ein, erhöhe den Vorschub entsprechend oder senke die Drehzahl, damit die Spanlast pro Schneide erhalten bleibt.

Wann du manuell eingreifen solltest

Vollnut statt Kontur: Wenn der Fräser auf ganzer Breite im Material steht, halbiere die Zustellung. Wackelige Maschine oder lange, dünne Fräser: ebenfalls reduzieren. Und immer gilt: Ein gleichmäßiges Schneidgeräusch und echte Späne (statt Staub oder Schmelzperlen) sind das beste Feedback, das deine Maschine dir geben kann.

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