Fräswissen
Fase fräsen mit dem V-Bit: erst ausräumen, dann anfasen
Eine kleine Fase macht aus einem guten Teil ein fertiges Teil: Die Kanten fühlen sich sauber an, es gibt keine scharfen Grate, und kleine Ausrisse an den Sichtkanten verschwinden gleich mit. Das Beste daran: Der zweite Durchgang mit dem V-Bit dauert nur wenige Minuten.
Der Trick ist die Aufteilung auf zwei Werkzeuge. Der Schaftfräser trägt das Material ab (Konturen, Taschen, Bohrungen), kann aber keine definierte Schräge an die Kante legen. Das V-Bit wiederum ist fürs Ausräumen ungeeignet, zieht aber mit seiner Spitze eine gleichmäßige 45-Grad-Fase an jede Kante (bei einem 90-Grad-Bit).
So geht es in step2gcode
- STEP- oder DXF-Datei hochladen und als Werkzeug den Schaftfräser wählen (z. B. 6 mm). Operationen wie gewohnt einstellen: Konturen, Taschen, Bohrungen.
- G-Code generieren, herunterladen und das Teil komplett ausräumen. Bei durchgefrästen Außenkonturen Haltestege aktivieren, damit das Teil fixiert bleibt.
- Das Werkstück eingespannt lassen und den XY-Nullpunkt an der Maschine nicht verändern.
- Dasselbe Modell erneut in step2gcode konfigurieren: jetzt als Werkzeugtyp „V-Bit" wählen und den Winkel deines Bits eintragen (üblich sind 90 Grad).
- Bei den Operationen „Fase" aktivieren und die Fasentiefe einstellen (Standard 1,0 mm). Für Bohrungen lässt sich optional eine eigene Fasentiefe setzen.
- Zweites Programm herunterladen, Werkzeug wechseln, den Z-Nullpunkt neu antasten und das Fasenprogramm fahren.
Die Fasenbreite im Kopf ausrechnen
Bei einem 90-Grad-V-Bit ist die Geometrie einfach: Die Fasenbreite entspricht der Fasentiefe. 1 mm Tiefe ergibt eine 1 mm breite Fase, 0,5 mm Tiefe eine dezente 0,5-mm-Kante. Für die meisten Teile aus Holz oder Kunststoff sind 0,5 bis 1 mm ein guter Startwert.
Der häufigste Fehler beim Werkzeugwechsel
Nach dem Wechsel auf das V-Bit stimmt die Werkzeuglänge nicht mehr: Das neue Werkzeug sitzt fast nie exakt so weit aus der Spannzange wie das alte. Der XY-Nullpunkt bleibt gültig, aber Z muss neu referenziert werden, auf derselben Fläche wie beim ersten Durchgang. Wer das vergisst, fräst die Fase zu tief in das Teil oder zieht sie wirkungslos durch die Luft.
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